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Campbeltown — Die Whisky-Hauptstadt, die niemals aufgab

Von Independent Spirits · St. Gallen


Es gibt Orte, deren beste Zeit vermeintlich hinter ihnen liegt. Campbeltown, ganz unten auf der Halbinsel Kintyre, war so ein Ort — jahrzehntelang. Und ist heute das spannendste Kapitel im schottischen Whisky.

Die Zahlen erzählen die Geschichte am besten: Im 19. Jahrhundert arbeiteten hier über dreissig Destillerien. Campbeltown nannte sich selbstbewusst «Whisky Capital of the World» — eine kleine Hafenstadt, in der praktisch jede Strasse nach Maische roch und die Schiffe den Whisky direkt nach Glasgow und Amerika brachten.

Dann kam der Absturz. Überproduktion, sinkende Qualität, die amerikanische Prohibition, die Weltwirtschaftskrise — in den 1920er-Jahren schloss eine Destillerie nach der anderen. Ende 1929 waren noch zwei übrig. Aus der Whisky-Hauptstadt der Welt war eine Randnotiz geworden.

Aber eben nur fast.


Springbank: Das Gewissen des schottischen Whiskys

Dass Campbeltown heute überhaupt noch als eigenständige Whisky-Region gilt — neben Speyside, Highlands, Lowlands und Islay — verdankt die Stadt vor allem einer Familie: den Mitchells, die Springbank seit 1828 führen. In fünfter Generation, unabhängig, ohne Konzern im Rücken.

Springbank ist die einzige Destillerie Schottlands, die den kompletten Produktionsprozess am eigenen Standort durchführt — vom Mälzen der Gerste auf dem eigenen Malting Floor bis zur Abfüllung. Keine Kühlfiltration, keine Farbstoffe, keine Kompromisse. Was hier langsam und in kleinen Mengen entsteht, ist so nah am Whisky des 19. Jahrhunderts, wie man heute kommen kann.

Das Bemerkenswerte: Aus einer einzigen Destillerie kommen drei völlig verschiedene Whiskys.



Springbank — zweieinhalbfach destilliert, leicht getorft.

Der Klassiker: maritim, ölig, komplex, mit dieser typischen

salzigen Würze, die man nirgendwo sonst findet.





Hazelburn — dreifach destilliert, ungetorft. Die sanfte Stimme des Hauses: weich, fruchtig, elegant, ohne dabei den Charakter zu verlieren.




Longrow — zweifach destilliert, kräftig getorft. Rauch, aber nicht wie auf Islay: erdiger, öliger, mit der Küste immer im Hintergrund.

Drei Namen, drei geschlossene Campbeltown-Destillerien, deren Erbe hier weiterlebt.





Glengyle: Die Rückkehr

Im Jahr 2000 kaufte die Mitchell-Familie die stillgelegte Glengyle-Destillerie zurück — ein paar Schritte von Springbank entfernt — und nahm 2004 die Produktion wieder auf. Der Grund war auch strategisch: Die Scotch Whisky Association drohte, Campbeltown mit nur zwei aktiven Destillerien den Status als eigenständige Region abzuerkennen. Drei mussten es sein.

Der Whisky aus Glengyle heisst Kilkerran (die Namensrechte an «Glengyle» liegen anderswo) — und hat sich längst vom Nebenprojekt zum Geheimtipp entwickelt: handwerklich, charaktervoll und für seine Qualität erstaunlich fair bepreist. Der Kilkerran 12 gehört für viele zum Besten, was Schottland in dieser Altersklasse zu bieten hat.


Die Renaissance

Und jetzt passiert etwas, das vor zwanzig Jahren niemand für möglich gehalten hätte: Campbeltown wächst wieder. Gleich drei neue Destillerien sind im Bau — Dál Riata mitten in der Stadt, Machrihanish als erste Farm-Destillerie der Region seit über 140 Jahren, und Witchburn, die auf einem ehemaligen Militärgelände mit komplett erneuerbarer Energie produzieren will.

Aus drei Destillerien werden sechs. Die «wee toon», wie die Schotten Campbeltown liebevoll nennen, schreibt ihre Geschichte weiter — und der Rest der Whiskywelt schaut genau hin. Wer heute Campbeltown im Glas hat, trinkt nicht Nostalgie. Sondern eine Region im Aufbruch.


Campbeltown bei Independent Spirits

Wir führen eine sorgfältig gewählte Auswahl aus der Region:

Von Springbank: den 10 Years Old — der ehrlichste Einstieg in die Welt von Campbeltown.

Von Hazelburn und Longrow: den Hazelburn 10, den Longrow Peated und den Longrow 100 Proof — dieselbe Destillerie, zwei komplett verschiedene Charaktere.

Von Glengyle: den Kilkerran 12 sowie die Heavily Peated Batches — für alle, die verstehen wollen, warum Kenner bei Kilkerran hellhörig werden.

Wer Campbeltown noch nicht kennt, fängt beim Springbank 10 an. Wer Campbeltown kennt, weiss: Diese Flaschen sind selten geworden — und werden es bleiben.

Alle Campbeltown-Produkte gibt es in unserem Shop in der Magnihalden 13 in St. Gallen — oder online auf independentspirits.ch.

 
 
 

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